Stolperschwellenverlegung 11/2020

Mehr als 75.000 Stolpersteine hat Gunter Demnig bis 2020 verlegt. Dort, wo der Platz für viele Stolpersteine nicht ausreicht oder wo die „Dimension jeder Vorstellungskraft gesprengt würde“ (Zitat Gunter Demnigs auf seiner Homepage) empfiehlt sich eine Stolperschwelle. Auf dieser kann in wenigen Zeilen dokumentiert werden, was geschah. Die Schwelle hat eine Breite von 96 mm und entspricht damit den Maßen der Stolpersteine, denn diese haben ein Maß von 96 x 96 mm. Die Stolperschwelle kann allerdings bis zu einem Meter verlängert werden. Bis zu 5 Zeilen sind auf ihr möglich. Jede Stolperschwelle wird individuell geplant und ausgearbeitet. Zurzeit gibt es übrigens laut Gunter Demnig circa 25 Stolperschwellen.

Unsere Stolperschwelle hat 4 Zeilen mit dem Text:

ISRAELITISCHE KURANSTALT BAD SODEN 1889 BIS 1938

IN ERINNERUNG AN DIE OPFER DES NATIONALSOZIALISMUS

PATIENTEN, ÄRZTE UND MITARBEITER

DISKRIMINIERT, ENTLASSEN, VERTRIEBEN, VERFOLGT, ERMORDET

Unser gewählter Verlegungstermin war der 10. November um 15 Uhr, der Tag des Pogroms in Bad Soden. Am 29. Oktober 2020 sagte das Büro des Künstlers „wegen des erneuten europaweiten Anstiegs der Covid-19-Inifizierten und die daraus resultierenden notwendigen Maßnahmen… schweren Herzens alle Stolperstein-Verlegungen mit Gunter Demnig zwischen dem 1. November und 3. Dezember ab.“

In unserer AG haben wir uns entschieden deshalb einen Weg zu gehen, der die Öffentlichkeit während der Verlegung der Stolperschwelle nicht in Gefahr durch Corona bringen würde.

Mit den sehr hilfsbereiten und sehr freundlichen Mitarbeitern des Städtischen Bauhofs

verlegten wir im Beisein der Presse (in der Person unseres AG Mitglieds Brigitte Kramer) die Stolperschwelle vor dem Mehrfamilienhaus Talstraße 12-14. Die Bauhofmitarbeiter erkundigten sich mit großem Interesse nach dem Schicksal der von diesem Ort vertriebenen Menschen und es entwickelte sich während ihrer Arbeit dabei für uns eine Atmosphäre der Anteilnahme, des Miteinanders. Nachdem die Arbeit des Verlegens getan war, nahmen wir uns Zeit für das Gedenken an die Menschen der Israelitischen Kuranstalt, deren Schicksal am 10. November 1938 von den Nazis so grauenhaft besiegelt wurde. Vorbei kommende Menschen blieben zögernd stehen und stellten ihre Fragen.

Brigitte Kramers Presseartikel erschien passend am 10. November 2020. Darin konnte nun jeder interessierte Leser nicht nur die erfolgte Verlegung einer Stolperschwelle in Bad Soden zur Kenntnis nehmen, sondern auch Informationen zum damaligen Pogrom und seine Folgen für die Menschen. Mit diesen Informationen versehen, ist es möglich sich an den neuen Ort des Gedenkens zu begeben ohne sich der Gefahr größerer Menschenansammlungen auszusetzen.