Else Maier

Else kam als Tochter von Emil Scheuer und Therese Scheuer, geb. Grünebaum, am 19.2.1906 in Bad Soden zur Welt. Schon früh erfuhr sie den Tod. Ihr Vater Emil beging Selbstmord als sie gerade 6 Jahre alt war. Else hatte keine Ausbildung. Sie heiratete Ende 1926 den Kaufmann Hugo Maier aus Nürnberg. Trauzeugen waren damals ihr neuer Stiefvater Abraham Cohn und der Verwandte Markus Grünebaum aus Bad Soden.

Mit ihrem Mann zog Else dann Anfang 1927 nach Nürnberg, wo sie ihren Sohn Siegbert gebahr. Schon vier Jahre später zogen sie zurück nach Bad Soden. Aber auch hier war ihr kein Glück beschert: Im Dezember 1935 starb ihr Mann Hugo und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Bad Soden beerdigt.

Ihr Großvater Julius Scheuer hatte vorgesorgt und ihr Grundstücksanteile und einen Gesellschafteranteil an der „Julius Scheuer OHG“ vermacht, aber ohne ihren Mann hielt es Else wohl in dem immer judenfeindlicher werdenden Bad Soden nicht mehr aus. Sie zog wie viele andere Juden  im Frühjahr 1936 in die Großstadt Frankfurt, in der Hoffnung auf ein besseres Leben, was sich aber nicht erfüllte. Bedingt durch das Verbot für Deutsche, Wohnungen an Juden zu vermieten, mußte sie mehrmals umziehen und lebte schließlich in Frankfurt in der Lersnerstraße. Hier wohnten sie nun zusammen mit Mutter Therese und Schwiegervater Abraham Cohn, die inzwischen ebenfalls nach Frankfurt geflohen waren.

Das Leben in Frankfurt war nicht einfach. So war Else Maier wie alle anderen Juden gezwungen, ab 1. September 1941 in der Öffentlichkeit den Judenstern zu tragen. Sie war gezwungen, im September 1939 mit ihren Verwandten Rosa Grünebaum, ihrer Schwester Erna Sostmann und ihrer Mutter Therese Cohn ihre gemeinsamen Bad Sodener Grundstücke zu verkaufen, nachdem ihre Handelsfirma wegen dem Boykott insolvent wurde. Dieses Geld konnte sie nicht selbst verwenden, sondern Ihr gesamtes Vermögen von 3.285,36 RM wurde ab April 1940 im Rahmen der „Sicherungsanordnung zur Verwertung der Vermögen in Übereinstimmung mit den Devisen­vorschriften“ eingezogen und zwangsverwaltet. Sie durfte nur 300 RM pro Monat davon frei für den Lebensunterhalt abheben; alles darüber Hinausgehende musste beantragt werden. So überstiegen die Kosten von 48 RM für die Fahrt und Massage ihres gelähmten Sohnes sowie das Schulgeld von 25 RM die monatlichen Freikosten von 300 RM und mussten extra beantragt werden.

In Frankfurt begannen ab 19.Oktober 1941 die Deportationen von ca. 10.000 Juden aus Frankfurt gemäß den von den jüdischen Gemeinden zusammengestellten Mitgliederlisten. Eine der Deportationen war ab dem 11.6.1942 vorgesehen. Gerüchte darüber und über die Folgen kursierten schon lange vorher in der Stadt. Am 14.6.1942, gegen 12 Uhr wurden Else und ihr Sohn Siegbert bewusstlos in ihrer Wohnung gefunden und ins Israelitische Krankenhaus in die Gagernstr. 36 gebracht. Siegbert starb noch am selben Tag, und Else einen Tag später am 15.6.42 um 20.40 Uhr, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Nach Ansicht des unterzeichneten Polizeibeamten war „Selbstmord durch Schlafmittelvergiftung“ die Todesursache. Er stellte dazu fest: „Der Grund zur Tat ist unbekannt. Die Leiche wurde beschlagnahmt und dem Institut für gerichtliche Medizin, Forsthausstraße zugeführt.“ In der offiziellen Sterbeurkunde wurde als Todesursache „Lungenentzündung – Vergiftung“ vermerkt.

Beide, Tochter und Enkel, wurden von ihrer Mutter Therese und ihrem Stiefvater Abraham  auf dem neuen jüdischen Friedhof in Frankfurt beigesetzt.

Ihr letzter freiwillig gewählter Wohnort war in Bad Soden, Taunusstraße 10, heutzutage „Am Thermalbad 10“.