Familie Neuhof-Strausser

Villa Rheinfels

Familie Neuhof  gehörte zur jüdischen Gemeinde. Herr Michael Neuhof hatte 1907 das Haus “ Villa Rheinfels“ in der Königsteiner Strasse / Ecke Aleestrasse übernommen und darin ein Hotel für Kurgäste eröffne. Er war mit Sophie Neuhof, geb. Mayersohn verheiratet. Sie hatten eine Tochter, Therese, die bereits 1882 in Frankfurt geboren wurde. In dem Hotel mit Restaurant wurde streng koscher gekocht. Herr Michael Neuhof starb 1921. Er liegt auf dem Jüdischen Friedhof in Bad Soden begraben.

Eigentümer des Hauses waren nun Frau Sophie Neuhof und ihre Tochter Therese.

Therese war mit Leopold Strausser (geb. 1878) verheiratet. Sie brachte 1920 in Zürich ihre Tochter Liselotte zur Welt. In dem Haus lebten nun die Großmutter Sophie Neuhof, die Mutter Therese mit ihrem Ehemann Leopold Strausser und ihre Tochter Liselotte. Therese war Hausfrau. Ihr Mann war kaufmännischer Angestellter in einem Frankfurter Unternehmen.

Herr Leopold Strausser wollte das Haus umbauen lassen und hatte dazu 1932 einen Bauantrag gestellt. Der Nationalsozialismus mit dem Antisemitismus in Bad Soden aber hatte zunehmend ihr Leben überschattet. Die Eltern haben sich vermutlich aus diesem Grund entschlossen, ihre Tochter zur Flucht in die USA zu bewegen. Die Gründe, weshalb nicht die ganze Familie emigrierte, sind nicht bekannt.

Wilhelm Strauss mit Olivia Strauss, Tochter Hannelore und Lilo Strausser

1937 war es so weit: Sie schickten ihre gerade 17 Jahre alte Tochter Liselotte zusammen mit der ihr bekannten Familie Strauss aus der Neugasse auf die Flucht. Olivia und Wilhelm Strauss mit Tochter Hannelore nahmen die junge Liselotte Strausser mit nach Hamburg, dann ging es per Schiff nach New York. Sie landeten am 24.12.1937 in New York und retteten sich und Liselotte damit das Leben.

Bekannt ist, dass die Familie Strausser im Zuge der Reichsprogromnacht im November 1938 dem wütenden Mob ausgesetzt war. Die Einrichtung der Wohnung wurde teils zerstört, geplündert oder aus dem Fenster geworfen. Es gibt einen Hinweis darauf, dass Therese Strausser dabei misshandelt wurde. Großmutter Neuhof, Therese und Leopold Strausser wurde zunächst nach Frankfurt vertrieben.  Die Villa Rheinfels mussten sie verfolgungsbedingt 1939 verkaufen. Ihr Vermögen wurde bis auf einen monatlichen Freibetrag beschlagnahmt.

Sophie Neuhof und ihr Schwiegersohn Leopold Strausser starben unter ungeklärten Umständen im November 1939. Beide sind auf dem jüdischen Friedhof in Frankfurt bestattet. Therese Strausser wurde am 22.11.1941 bei der dritten großen Deportation von Frankfurt mit dem Ziel Riga deportiert. Der Transport erreichte aber den Zielort wegen „Überfüllung des Ghettos“ nicht, sondern wurde nach Kowno umgeleitet, wo die Frankfurter Verschleppten ausnahmslos am 25.11.1941 ermordet wurden. Es handelte sich um Massenerschießungen von Tausenden.

Überleben konnte also nur die Tochter Liselotte durch die Flucht in die USA. Zu ihrer Mutter hatte sie anfangs noch Briefkontakt. Lieselotte hatte familiären Anschluss an die Familie von Olivia und Wilhelm Strauss und deren Tochter Hannelore, deren Kinder und Enkelkinder.

Es ist bekannt, dass Lieselotte Kinderkrankenschwester wurde. Mit 19 Jahren arbeitete sie in einem Heim für jüdische Kinder in New York. 1944 wurde sie amerikanische Staatsbürgerin und änderte ihren Namen in Lilo Hanna Strausser. Lilo hatte auch Kontakt mit den Isserlin-Kindern, Ruth und Paul.

Lilo Strausser starb kinderlos im Alter von 86 Jahren in den USA.

Der letzte, frei gewählte Wohnort der Familie Neuhof-Strausser war das Haus in der Königsteinerstr. 39.