Fritz Lagemann

Die Nationalsozialisten verfolgten nach der „Machtergreifung“ 1933 nicht nur die Juden, sondern viele andere Personen, die nicht zu ihrer Ideologie „passten“. Dazu gehörten auch die politischen Gegner. Freie Meinungsäußerung wurde verfolgt, Parteien wie die SPD und die KPD verboten, freie Gewerkschaften zerschlagen, demokratisch gewählte Gremien aufgelöst etc.

In der Region Rhein/Main  wurde von SPD-Mitgliedern eine Widerstandsgruppe gebildet, der auch mehrere mutige Männer aus Bad Soden angehörten. Zu dieser Gruppe gehörte Fritz Lagemann.

Fritz Lagemann wurde 1877 in Westfalen geboren. Er wurde Bergmann und gründete eine Familie. Bereits 1918 engagierte er sich für den Aufbau der Demokratie. So arbeitete er mit SPD-Mandat im Gemeinderat von Lintfort mit, später im Kreistag.  Persönlich trafen ihn schwere Schicksalsschläge, wie der frühe Tod seiner ersten Frau und eines Sohnes. Durch seine Arbeit zog er sich eine Staublunge zu. Deshalb kam er 1926 zur  Kur nach Bad Soden und blieb. Hier lernte er seine zweite Ehefrau, Frau Margarethe Hißnauer kennen und lebte mit ihr im Dachgeschoss der „Villa Johannisberg“. Auch in Bad Soden engagierte er sich gleich wieder für das Wohl der Gemeinde als Gemeindeschöffe.

Die Zeit der politischen Verfolgung begann ab Juni 1933 mit täglicher Meldepflicht bei der Polizei. Weil er sich in der von SPD-Mitgliedern gegründeten regionalen Widerstandsgruppe betätigte, wurde er 1935 von der Gestapo verhaftet. Er wurde zu einer Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt, die er v.a. im Gefängnis Frankfurt-Preungesheim verbrachte. Er wurde gedemütigt, misshandelt und gefoltert. Die großen Narben blieben sichtbar.

Da Fritz Lagemann ein Mann mit einem sehr starken Willen und festen Zielen war, ließ er sich letztendlich nicht entmutigen. Er hatte das Glück, die Haft zu überleben. Nach seiner Entlassung kehrte er nach Bad Soden zurück. Nun kämpfte er um das tägliche Überleben seiner Familie und ließ sich auch durch weitere Schikanen der Nazis nicht von seinen Einstellungen abbringen. Nach dem Krieg arbeitete er für den Wiederaufbau der Demokratie in der Gemeindevertretung von Bad Soden.

Die letzte freiwillig gewählte Adresse vor der Verhaftung war Königsteinerstr. 99.